In Stille ein Protest: in Andenken an die Opfer in Japan, aus Wut über die Politik – Bericht zur Mahnwache in Leipzig am 14.03.2011

15. März 2011 § Ein Kommentar

Immer noch ist es unerklärlich was in Japan geschieht. Weiterhin nimmt die Zahl der Toten und Verletzten zu. Trotzdem könnte es noch dramatischer werden, denn inzwischen ist klar, dass der innere Kern von mindestens einem Reaktor in Fukushima gebrochen ist und Radioaktivität austritt.

Aufgrund der schockierenden Ereignisse am Wochenende hatte die Anti-Atom-Initiative „.ausgestrahlt“ dazu aufgerufen, mit Mahnwachen ein Zeichen zu setzen. In Leipzig hat das Bündnis gegen Atomkraft die Organisation übernommen. Aus unserem Aufruf wurde deutlich, dass das stille Gedenken im Mittelpunkt stehen soll. Innerhalb von 24 Stunden verbreitete sich die Nachricht in der ganzen Stadt. Am Abend auf dem Augustusplatz waren es weit über 400 Menschen, die gekommen sind, um mit uns der Opfer zu gedenken und gleichzeitig ein Umdenken zu fordern. Das Publikum war bunt gemischt – Familien und junge Mütter stehen neben Studenten und Senioren, sie alle sind betroffen. Betroffen wie wir. Sprachlos angesichts der Geschehnisse. Viele hatten Kerzen dabei.

Eine Rede wurde verlesen, ohne unnötige Polemik. Auch wenn wir uns klar sind, dass nur die Abschaltung aller Atomanlagen weltweit das Ziel sein kann, liegt der Fokus im Moment auf den Betroffenen.

Die Reaktion der Bundesregierung, sie ist unangemessen. Dass erklärt wird, dass nunmehr die Sicherheitsanforderungen der deutschen Kraftwerke überprüft werden müsse, ist ein Hohn. In Fukushima verwirklicht sich der Albtraum der Atompolitik – das Restrisiko, es wird wahr. Die Bundesregierung tut so, als hätte es Harrisburg ᾽79, Tschernobyl ᾽86 und all die anderen Orte, an denen sich das inhärente Risiko verwirklichte, nicht gegeben.

Auch wenn Japan weit weg ist, so ist doch in vielen Gesichtern neben Anteilnahme auch Angst zu lesen, die Angst vor einem ungewissen Morgen.

Nachdem die Mahnwache beendet war, wollten viele Menschen weitergehen, so dass sich ein spontaner Protestzug bildete, der von der Polizei begleitet wurde. Eine Polizei, die in diesen Stunden Verständnis für uns hat.

Mit mehreren Hundert Menschen ging es durch die Innenstadt, hinunter zum Bahnhof. Spontan eroberten wir uns den Innenstadtring und legten den Autoverkehr lahm, um zum Gebäude von Siemens zu laufen. Siemens, eine Firma, die Geld verdient – Geld mit dem Bau von Atomanlagen. Auf dem Weg dahin waren auch immer wieder vereinzelt Sprechchöre zu hören. Menschen nahmen Notiz von uns. Viele blieben stehen. Eine ältere Frau klatschte Beifall, viele liefen ein paar Meter mit.

Bei Siemens lösten wir uns auf, kehrten in die Nacht zurück und ließen die Kerzen für uns sprechen.

Wir fürchten die nächsten Tage. Fürchten, dass alles noch weit schlimmer kommt. Am nächsten Montag werden wir uns erneut um 18 Uhr auf dem Augustusplatz treffen, um unser Schweigen zu überwinden, um unsere Angst zu teilen.

Presse:

L-IZ

LVZ-online

mephisto

mdr-info (15.03., 11:20 Uhr)

Bilder: Torben Ibs

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§ Eine Antwort auf In Stille ein Protest: in Andenken an die Opfer in Japan, aus Wut über die Politik – Bericht zur Mahnwache in Leipzig am 14.03.2011

  • Peter sagt:

    Das Leid der Menschen in Japan scheint den Höhepunkt noch lange nicht erreicht zu haben.
    Ich glaube nicht dass es Worte gibt, für das was diese Menschen jetzt aushalten müssen und was sie wahrscheinlich noch erwartet. Wenn man die verzweifelten Versuche die Katastrophe doch noch abzuwenden beobachtet, scheit alles Bisherige nur der Anfang ihrer Leiden zu sein. Wenn es zum Super GAU kommt ist nicht mehr nur ein kleinerer Teil Japans betroffen und das wird die ganze Menschheit betreffen. Auch wenn die meiste Strahlung das Japanische Volk treffen wird, die Wirtschaftlichen Folgen wird auf die eine oder andere Weise die ganze Menschheit tragen, oder besser ertragen müssen.
    Ich bin der Meinung, dass sich jeder einzelne Mensch darauf einstellen muss, dass die Welt, wie wir sie bis zum 11.03.2011 kannten nicht mehr existiert. Zu viele Veränderungen werden über uns hereinbreche, ob wir das wollen oder nicht.
    In tiefen ehrlichem Mitgefühl für diese Menschen, Gruss Peter.

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