Redebeitrag zur Demo „25 Jahre Tschernobyl“: die Gegenwart

3. Mai 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Von Linda Dertinger (Grüne Jugend Sachsen, BgAL)

Die Situation, in der wir uns heute 25 Jahre nach Tschernobyl, 25 Jahre nach dem bis dato schwersten anzunehmenden Unfall befinden, ist bekannt – sollte man meinen. Die damalige Informationspolitik sei den Verantwortlichen eine Lehre gewesen, müsste man meinen.

-Reingefallen!

Immer wieder werden wir mit vermeintlich neuen Fakten konfrontiert, die doch so neu gar nicht sind. Informationen und Wissen von Expert_innen, manche mehr und manche weniger kritisch, und einfachen Bürger_innen werden von offizieller Seite dementiert oder gezielt ignoriert, bis sie aus dem Sichtfeld der öffentlichen Wahrnehmung gerutscht sind. Es geht weiter wie zuvor. Verlogen! Das nehmen wir genauso wenig hin, wie das Outsourcen des gefährlichen radioaktiven Abfalls. Weg ist er dadurch nicht! Nicht nur Deutschland muss frei von Atomkraft werden. Der gesamten Bisosphäre gilt unsere Aufmerksamkeit.

Immer wieder wird von einer Übergangstechnologie gesprochen, ‚Ressourcen schonen, weg vom Öl‘ heißt das Credo. Sehr paradox also, sich an eine andere endliche Substanz zu binden. Noch vor 2070 wird Uran, gemessen an dem derzeitigen Nutzungsverhalten, aufgebraucht sein.

Vollkommen unrentabel also wenn derzeit allein in Europa 30 neue Reaktoren geplant werden, das geht gleich mehrfach auf unsere Kosten.

Diejenigen Konzerne und Regierungen, die sich des finanziellen Umstandes bewusst sind, reagieren indem sie die alten Reaktoren am Netz lassen. Eine unkalkulierbare Gefahr, aber ein mit 1 Millionen EURO pro Tag und AKW abschätzbarer Reingewinn, schließlich sind die Betreibenden im Ernstfall nicht des Schadensersatzes verpflichtet.

Wenn wir nun noch einmal den Blick in die Sperrzone um Prypjat /Tschernobyl wagen, fehlen die Worte angesichts von Menschen mit Kindern, die zurück kehren in ihre alten Häuser. Bedroht durch die mangelnde Nachbereitung und Bildungsarbeit zum Thema Atom, die der ukrainische Staat ihnen nach der Katastrophe von 1986 offenbar kaum zu Teil werden ließ. Über die Pilze, die sie sammeln, sagen sie, man schmecke keinen Unterschied und umgefallen sei auch noch keine_r von ihnen. Ich wünsche ihnen aufrichtig, dass es so bleibt.

Grade weil 25 Jahre vergangen sind und der alte Sarkophag, der in aller Eile über dem Kraftwerk Tschernobyl errichtet wurde, ein Provisorium war, der Zeit einräumen sollte, neue Methoden zur Eindämmung der Radioaktivität zu entwickeln. Etwa 20 Jahre Lebensdauer wurden ihm eingeräumt. Die optimistische Frist ist seit 5 Jahren verstrichen und noch immer ist es die alte marode Beton-Schutzhülle, die sich über Tschernobyl wirft. Die Vereinten Nationen stellen zum Bau eines neuerlichen Systems 850 Millionen zu Verfügung, das ist nur die Hälfte des erforderten Geldes. Ohne, dass die zu 90% unterm Beton verbliebenen Brennelemente geborgen würden.

Mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen haben es die Verantwortlichen nicht so. Sie sind eher diejenigen, die im Casino Haus und Hof verzocken, aber nicht ihren eigenen. Die Uhr tickt gnadenlos weiter, nicht nur für Osteuropa.

Fukushima hat die Diskussion erneut ins Bewusstsein der globalen Öffentlichkeit gerückt, eine Öffentlichkeit, die besonders genau nach Deutschland schaut und uns zum Exempel einer Energiepolitik sehen möchte, die die Wende schaffen kann. Zeigen wir ihnen, dass wir es vermögen.

Wir können Atomkraftwerke abschalten – in Deutschland und weltweit. Denn es ist eine verantwortungslose, kurzsichtige und egoistische Technologie.

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